Mestre Bimbas Akademie

18 interessante Fakten aus Mestre Bimbas Akademie

Mestre Bimbas Geschichte und die Regeln in seiner Akademie kennst du bereits.

In diesem Artikel erfährst du mehr über den Alltag, das Training und die Methoden des legendären Meisters.

 

 

  1. Es gab mehrere Trainingseinheiten pro Tag, die erste ab 6 Uhr morgens, eine am Nachmittag und die letzte bis spät in den Abend. Seine Schüler versuchten, zu so vielen verschiedenen Zeiten wie möglich zu kommen, um mit allen anderen Schülern spielen zu können. Besonders beim Abendtraining waren seine besten Schüler vertreten.
  2. In der Akademie gab es zunächst keine feste Kleiderordnung, die Schüler trainierten in Shorts und T-Shirt oder mit freiem Oberkörper. Mit der Zeit entwickelten die Schüler, die in seiner Showgruppe waren, eine Art Uniform, bestehend aus halblangen weißen Hosen und einem weißen Seil als Gürtel. Langsam übernahmen auch die anderen Schüler diese Hosen, die Mestre Bimbas Frau, Dona Alice, nähte und bis zum nächsten Training wusch.
  3. Standen Leute an der Tür zur Akademie, um zuzuschauen, fragte Mestre Bimba: "Wollt ihr den Capoeira Regional Unterricht sehen?" und nannte direkt den Preis fürs Zuschauen. Die zahlenden Zuschauer bekamen dafür auch gute Sitzplätze, von denen aus sie alles verfolgen konnten.
  4. In der Akademie waren Schüler aller sozialen Klassen willkommen. Mestre Bimba setzte nur eine bestimmte Einstellung voraus, so mussten seine Schüler entweder arbeiten oder studieren/zur Schule gehen, sonst wurden sie nicht aufgenommen.
  5. Jeder neue Schüler wurde zunächst über seinen Hintergrund ausgefragt, dann musste er eine Reihe Übungen absolvieren, um zu sehen wie beweglich er war. Dazu gehörten Cocorinha, Queda de Rins, Aú und Ponte. In den Anfangszeiten nahm er die Schüler sogar in den Schwitzkasten und sie durften nur beim ihm trainieren, wenn sie eine bestimmte Zeit aushielten.
  6. Um dem neuen Schüler die Ginga beizubringen, nahm er ihn an den Händen und übte mit ihm. Konnte der Schüler schon die ersten Bewegungen und Sequenzen, übte er sie mit einem Stuhl, dann mit einem Partner.
  7. In seinem Buch "Curso de Capoeira Regional" beschreibt Mestre Bimba seinen Unterricht in 14 Lektionen:
    1. Lektion: Ginga
    2. Lektion: Meia-lua de frente, Armada, Cocorinha, Negativa, Aú
    3. Lektion: Martelos, Armada, Bencao, Aú
    4. Lektion: Spiel zum Ton des Berimbaus
    5. Lektion: Godeme, Galopante, Arpao de cabeca, joelhada
    6. Lektion: Meia-lua de compasso, Cocorinha
    7. Lektion: Vingativa, Rolê
    8. Lektion: Banda de costas, Banda trancada, Asfixiante
    9. Lektion: verschiedene Rasteiras
    10. Lektion: Cintura Desprezada
    11. Lektion: Cintura Desprezada
    12. Lektion: Cintura Desprezada
    13. Lektion: Quebra-pescoco, Bochecho, Cruz
    14. Lektion: Verteidigung gegen "Weiße Waffen"

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  8. Der reguläre Unterricht folgte immer dem gleichen Ablauf: In der Roda wurden zunächst die Cintura Desprezada, dann Übungssequenzen. Im Anschluss gab es eine Roda mit Banguela oder Sao Bento Grande, dann Iúna für die Fortgeschrittenen. Zu jedem Rhythmus durfte ein Schüler nur ein Mal in die Roda. Den Abschluss bildete die freie Roda, wo alle Bewegungen erlaubt waren und auch mehrfaches Spiel möglich war. Je nach Situation erzählte der Meister dann noch Geschichten oder gab Ratschläge.
  9. Rasteiras, Bandas, Tesouras, Vingativas und auch Schläge wie Galopantes gehörten zu jedem Training. Das Spiel in der Roda wird von den Schülern als hart, aber immer respektvoll beschrieben.
  10. Einmal kämpften zwei von Mestre Bimbas fortgeschrittenen Schülern heftig miteinander. Als einer von ihnen den anderen biss und eine harte Ohrfeige gab, ging der Meister dazwischen und verbannte ihn aus seiner Akademie. Später hob er diesen Bann aber wieder auf, weil dieser Schüler Medizinstudent war und er nicht riskieren wollte, eines Tages eine tödliche Spritze statt eines Medikaments zu bekommen, sagte er.
  11. Ein anderer Schüler, dem in der Roda ein Messer aus der Tasche fiel, wurde ebenfalls aus der Akademie geschmissen, kehrte aber nicht zurück.
  12. An einer der Wände hing eine Tafel, auf der die Namen der Schüler notiert wurden, die bestimmte Fehler gemacht hatten, zum Beispiel nicht geklatscht haben oder "unelegant" gefallen sind. Diese Schüler mussten dafür kleine Strafen zahlen, am Tag der Batizados wurde dann von diesem Geld gefeiert.
  13. Es gab einen Monatsbeitrag, um trainieren zu dürfen und einen weiteren, um Berimbau spielen zu lernen. Der Berimbau-Unterricht fand meist separat statt.
  14. Als einer seiner fortgeschrittenen Schüler wegen einer Schlägerei und anschließendem Krankenhausaufenthalt zu spät zu Training erschien, sagte Mestre Bimba "Ich hoffe, du hast niemandem erzählt, dass du mein Schüler bist! Wie peinlich! Wenn eure Gegner zu viele sind, haut ab! Meine Schüler werden nicht verhauen!"
  15. Mestre Bimbas Showgruppe bestand nicht nur aus Capoeiristas, sondern auch aus Musikern, den berühmten Baianas (Tänzerinnen in traditioneller Kleidung) und anderen Folkloreleuten. Der Erlös für die Auftritte wurde immer gerecht unter allen Teilnehmern aufgeteilt und Mestre Bimba achtete darauf, dass seine Gruppe gut untergebracht und verpflegt wurde.
  16. Nach dem Samba de Roda wurde in Mestre Bimbas Akademie oft noch der Samba Duro getanzt. Dabei tanzen nur Männer miteinander und versuchen, den anderen mit einer Rasteira zu Fall zu bringen.
  17. Mestre Bimba war es ein Anliegen, eine Gruppe aus weiblichen Capoeiristas zu bilden und so mehr Frauen unter seinen Schülern zu haben. Doch keine seiner drei Frauengruppen war konnte seinen Kurs erfolgreich abschließen, immer hätten Freunde und Ehemänner die Frauen am weitermachen gehindert.
  18. Viele seiner Schüler erzählen, dass Mestre Bimba für sie viel mehr war, als nur ein Lehrer. Für einige ist er wie ein Vater, andere beschreiben ihn als Erzieher, guten Freund und großes Vorbild des Lebens. Er kannte seine Schüler besser, als diese dachten und gab ihnen oft Ratschläge in Form von Parabeln, deren Sinn sich oft erst später zeigte. Zahlreiche Schüler erzählen, dass Mestre Bimba und seine Capoeira ihr Leben verändert haben.

 

 

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Quelle:

https://repositorio.ufba.br/ri/bitstream/ri/11005/3/Helio%20Campos%20Parte%203.pdf

"Ele nao joga capoeira, ele faz cafuné - histórias da academia do Mestre Bimba"  - Sergio Fachinetti Doria

 

 

 

 

 

 

 

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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