Benguela

Warum du Benguela spielen solltest – Und was du dabei beachten musst

Benguela gehört zur modernen Capoeira dazu.

 

Trotzdem wird sie nicht überall unterrichtet, viele Gruppen ignorieren sie sogar komplett.

 

Was genau es mit Benguela auf sich hat und warum es lohnt, sich damit zu beschäftigen,  erfährst du in diesem Artikel.

 

 

Was ist Benguela?

 

Benguela ist ein Rhythmus und eine Spielart der Capoeira Regional, ähnelt aber der Capoeira Angola.

 

Dabei wird besonders langsam und rhythmisch gespielt, nah am Boden und sehr kontrolliert. Oft werden Bewegungen mittendrin abgebrochen und in andere umgewandelt.

 

Sprünge und hohe Tritte werden in diesem Spiel nicht benutzt. Ebenso wird die Ginga deutlich weniger benutzt als in den anderen Stilen, da das komplette Spiel mehr am Boden stattfindet. Basis des Spiels sind Drehbewegungen am Boden wie Rolê, Fintas und Ähnliches.

 

Oft wird dieser Rhythmus am Anfang der Roda gespielt, als Einstieg, um später in schnellere Spielarten überzugehen. Auch zwischendurch kann in die Benguela gewechselt werden, um die Spieler zu beruhigen und das Spiel etwas zu verlangsamen.

 

Die Benguela fordert den Spieler auf andere Art, als die anderen Stile es tun. Weil du die ganze Zeit nah am Gegner bist und ihr euch sehr kontrolliert bewegt, ist das Antäuschen und besonders die Malícia gefragt.

 

Besonders, wenn du kein kompletter Anfänger mehr bist, ist das Benguela-Spiel eine gute Art, deine Bewegungen zu verbessern und effizienter zu gestalten und an deiner Reaktion und Kreativität zu arbeiten.

 

 

Wer hat die Benguela erfunden?

 

Mestre Bimba hat den Rhyhtmus Banguela erfunden, der sich allerdings etwas vom heute gespielten Rhythmus unterscheidet. Er war Teil der von ihm entwickelten Capoeira Regional.

 

Die meisten Quellen gehen davon aus, dass er auch das Spiel dazu entwickelt hat, um so auch mit Angoleiros spielen zu können und eine gemeinsame Basis zu haben.

 

In der Capoeira Angola wird der Stil übrigens meist Angola Dobrada genannt.

 

Neue Artikel im Shop - nur für kurze Zeit!

bild4

 

 

 

Die ewige Diskussion: Benguela oder Banguela?

 

Banguela bedeutet auf Portugiesisch „zahnlos“, während Benguela eine Hafenstadt in Angola ist, von wo aus viele Sklaven nach Brasilien verschifft wurden. Unter den Sklaven gab es auch einige, die dem Stamm der Benguela angehörten.

 

Mestre Bimba nannte seinen Stil Banguela, was in alten Aufnahmen und auch von seinen Schülern zu hören ist. Allerdings hatte er keine Schulbildung und war praktisch Analphabet, weswegen viele Leute sagen, er habe Benguela gemeint.

 

Gegen diese These wehren sich aber besonders seine Schüler (darunter auch seine Söhne). So soll der Meister, der viele gebildete Schüler hatte, oft mit diesen über Liedtexte und Ausdrücke diskutiert und sich andere Meinungen eingeholt haben, bevor er beispielsweise ein neues Lied veröffentlichte. So hätte also jemand den Fehler, wenn es denn einer war, bemerken müssen.

 

Das geschah aber nicht und es gibt sogar eine Schallplatte, in deren Titel Banguela steht, was ebenfalls niemanden gestört hat.

 

Ich würde also davon ausgehen, dass Mestre Bimba seinen Rhythmus Banguela genannt hat und das auch so meinte. Es gibt nämlich auch einige Ausdrücke, in denen das Wort banguela im Sinne von „zurücknehmen“ oder „schonen“ benutzt wird, was wiederum zum Spiel passt.

 

Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende.

 

Schließlich ist der Rhythmus, der heute als Benguela bekannt ist, etwas anders als der originale von Mestre Bimba. Die Originalversion hatte sehr viele Variationen und einen Schlag weniger, als die heute gebräuchliche, außerdem wurde nur mit Berimbau und Pandeiros gespielt.

 

Es handelt sich also um zwei verschiedene Rhythmen!

 

(Und damit erübrigt sich eigentlich die ganze Diskussion, oder?)

 

Der heute weit verbreitete Rhythmus Benguela wurde wahrscheinlich von Mestre Camisa abgewandelt, vereinfacht und in seiner Gruppe Abadá unter dem neuen Namen verbreitet.

 

Das Gleiche gilt für das Spiel, das ebenfalls ähnlich dem von Mestre Bimba entwickelten, aber eben nicht identisch sein soll, so behaupten das zumindest die Schüler Bimbas. Die Banguela von Mestre Bimba soll teilweise sogar mit einem Messer gespielt worden sein.

 

In den letzten Jahrzehnten setzte sich die Benguela der Gruppe Abadá (die immerhin weltweit die größte Capoeiragruppe ist) immer mehr durch, sodass dieser Stil mit dem entsprechenden Rhythmus mittlerweile in den meisten Gruppen unterrichtet wird und Teil der modernen Capoeira geworden ist.

 

 

Tipps für das Benguela Spiel

 

Beim Benguelaspiel steht der Dialog der Spieler im Vordergrund, mehr noch, als bei den anderen Stilen. Deswegen hier ein paar Ideen:

 

  • Nutze die Ginga so wenig wie möglich. Die Basis ist bei diesem Spiel weiter unten.

 

  • Lerne die speziellen Bewegungen. Statt einer normalen Queixada gibt es zum Beispiel die Queixada de Benguela. Der Bewegungsablauf ist praktisch derselbe, nur dass das Ganze weiter unten stattfindet.

 

  • Übe dich in Malicia und Malandragem. Diese Schlitzohrigkeit gehört zur Benguela ganz besonders dazu, denn allein mit Kraft oder Schnelligkeit kommst du hier nicht besonders weit. Dazu gehören Fintas (Antäuschen), plötzliche Richtungswechsel und abgebrochene Bewegungen, die als andere weitergeführt werden.

 

  • Bleib nah am Gegner. Eine Benguela-Roda ist kleiner als die Roda bei den meisten anderen Stilen.

 

  • Bodennahe Akrobatik wie Queda de Rins und Kopfstand sind super für dieses Spiel.

 

  • Vermeide Tritte, bei denen dein Bein deutlich höher als deine Hüfte ist.

 

  • Führ jede Bewegung ruhig und kontrolliert aus, aber mit einem starken Ausdruck.

 

  • Versuche, das Spiel immer im Fluss zu halten.

 

  • Wenn in deiner Gruppe keine Benguela gespielt wird, besuch doch mal einen Workshop. Gerade, wenn du sonst eher schnell und hoch spielst, kannst du dort unglaublich viel lernen.

 

 

 

 

Was ist mit dir, spielst du Benguela?

 

 

 

Quellen

https://pt.wikipedia.org/wiki/Benguela_(capoeira)

https://groups.google.com/forum/#!topic/papoeira/X5mi6zKw3sQ

http://morenocapoeira.blogspot.de/2012/07/banguela-e-benguela.html

Let's talk benguela/banguela from capoeira

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
Xitara

3 Kommentare zu “Warum du Benguela spielen solltest – Und was du dabei beachten musst

  1. Sehr schön und gut geschrieben!! Danke dafür.
    Ich spiele keine Benguela… sondern Banguela; )
    Aber eigentlich auch primär São Bento pequeno de Angola ( Was ja das äquivalent aus der Angola dazu ist.)
    Immer wieder schön deine Texte zu lesen

  2. Salve Xitara,
    sehr schön geschrieben! Ergänzend möchte ich hinzufügen, dass in vielen Gruppen auch das „Jogo de Dentro“ (andere toque) ähnlich / bzw gleich gespielt wird.

Kommentar verfassen