CAPOEIRA FAQ

 

Was ist Capoeira?

Capoeira ist eine afrobrasilianische Kampfkunst. Es ist ein Kampfsport, der normalerweise nicht auf Kontakt ausgerichtet ist, sondern darauf, dem Gegner anzudeuten, was man tun könnte; mit ihm zu spielen und einen physischen Dialog zu führen. Dieses Spiel findet zu Musik statt und hat außer den typischen Kampfbewegungen auch akrobatische Elemente. Mehr Infos im Artikel Was ist Capoeira?

Woher kommt Capoeira?

Diese Frage lässt sich nicht völlig abschließend beantworten. Einige Leute glauben, dass es Capoeira schon in Afrika gegeben habe, die meisten Historiker gehen aber davon aus, dass sie erst in Brasilien von den afrikanischen Sklaven entwickelt wurde. Es gibt Ähnlichkeiten zu afrikanischen Tänzen wie dem N´Golo (Zebratanz). Wahrscheinlich entstand die Capoeira auf den Plantagen im Nordosten Brasiliens als waffenloser Kampfstil, der durch verschiedene Elemente als ritueller Tanz getarnt wurde, um ihn auch unter den Augen der Aufseher praktizieren zu können. 

Ist Capoeira ein Kampf oder ein Tanz?

Beides. Ein bekanntes Zitat sagt: „Wo der Tanz aufhört, fängt der Kampf an.“ Allerdings ist es kein Tanz im Sinne einer festgelegten Choreografie, denn das Spiel in der Roda ist spontan und die Bewegungsabläufe stehen vorher nicht fest. Die Musik dient dazu, die Art und Geschwindigkeit des Spiels festzulegen, denn sie bestimmt den Rhythmus. Trotzdem ist Capoeira ein Kampf, denn auch wenn im Training oder auf Vorführungen selten auf Kontakt gespielt wird und eher das „Schöne Spiel“ mit Akrobatik und beeindruckenden Bewegungen im Vordergrund steht, bleibt Capoeira ein Kampf, deren Schläge oder Tritte ebenso effektiv sein können, wie die anderer Kampfsportarten.

Warum die Musik?

Die Musik wurde einst von den afrikanischen Sklaven benutzt, um den eigentlichen Zweck zu verschleiern. Da den Sklaven nur die Ausübung ihrer Religionen mit Musik und Tanz erlaubt war, tarnten sie ihre Kampfübungen mit Musik und Klatschen, um sich trotzdem auf einen möglichen Aufstand vorbereiten zu können. 

Wovon handeln die Lieder?

In den meisten Liedern geht es um verschiedene Epochen der brasilianischen Geschichte, wie beispielsweise die Versklavung, die Arbeit auf den Plantagen, Indianer, den Krieg mit Paraguay oder historische Persönlichkeiten. Außerdem handeln Lieder von der Sehnsucht nach Afrika, von der Natur und der Capoeira selbst. In der Regel sind die Texte auf (brasilianischem) Portugiesisch, es gibt aber auch Textstellen und ein paar Lieder, die in alten afrikanischen Sprachen und Dialekten verfasst sind. Unter MUSIK findest du einige Texte mit deutscher Übersetzung.

Was ist die Roda?

Die Roda ist der Kreis, in dem gekämpft wird bzw. das Capoeiraspiel stattfindet. Jeweils zwei Capoeiristas spielen miteinander, während der Rest der Gruppe oder Zuschauer um sie herum einen Kreis bilden, Instrumente spielen, singen und klatschen.

Was sind das für Instrumente?

Mittlerweile werden in den meisten Rodas folgende Instrumente benutzt: Berimbau (eine Art gespannter Holzbogen mit einem Klangkörper, der Draht wird mit einem Stein oder einer Münze gestimmt und mit einem Stock angeschlagen), Atabaque (große Holztrommel mit Leder/Fellbespannung), Pandeiro (eine Art Tambourin mit Schellen), Agogo (Holz oder Metall mit zwei unterschiedlich großen Klangkörpern), Reco-Reco (Holzratsche) und seltener auch ein Afroxé (große, von außen mit einem Perlennetz bespannte Rassel). Es werden nicht immer alle Instrumente benutzt.

Was bedeuten die Farben der Gürtel?

Die verschiedenfarbigen Gürtel, Cordas (bzw. Cordel oder Cordao) genannt, geben die jeweilige Stufe an, auf der sich ihre Träger befinden. Es gibt kein einheitliches Farbschema, Farben und Reihenfolge variieren von Gruppe zu Gruppe. Meister(Mestres) tragen meist weiße oder rote Cordas bzw. Cordeis. 

Wer war Mestre Bimba?

Mestre Bimba war ein sehr bedeutender Capoeirameister, der einen moderneren und kampftechnisch effektiveren Capoeirastil, die Capoeira Regional (siehe unten) entwickelte und die Methodik des Capoeiraunterrichts bedeutend veränderte. Er trug stark dazu bei, die seinerzeit in Verruf geratene Capoeira wieder gesellschaftsfähig zu machen und war auch an der Aufhebung des nationalen Capoeiraverbots beteiligt. Einige bedeutende Meister waren Schüler von Mestre Bimba. 

Wer war Mestre Pastinha?

Mestre Pastinha war ein bedeutender Meister, der die traditionelle Capoeira Angola lehrte und populär machte. Auch er praktizierte zu Zeiten des Capoeiraverbotes und trug maßgeblich zur heutigen Form der Capoeira Angola bei. Viele bedeutende Meister haben bei ihm gelernt.

Was unterscheidet Capoeira Angola von Capoeira Regional?

Capoeira Angola ist der traditionelle Stil, der wahrscheinlich der ursprünglichen Capoeira näher kommt. Sie wird langsamer und näher am Boden gespielt und besitzt keine Sprünge. Die Capoeira Regional ist eine Weiterentwicklung der traditionellen Capoeira, sie wird schneller gespielt und hat auch hohe Tritte und Sprünge sowie einige Elemente aus asiatischen Kampfsportarten. Viele Grundbewegungen sind bei beiden Stilen gleich oder zumindest ähnlich. 

Warum die Uniformen?

Die Uniform der Capoeira Regional, bestehend aus weißer Hose, (meist) weißem T-Shirt und der Corda, ist eine Erinnerung an die Zeit, in der die Sklaven auf den Plantagen arbeiteten und weiße Leinenhosen trugen, mit einem Seil als Gürtel. Die schwarz-gelbe Uniform der Capoeira Angola ist auf die Vereinsfarben von Mestre Pastinhas Fußballclub zurückzuführen.

Warum Spitznamen/Decknamen?

Seit ihrer Entstehung war die Capoeira immer wieder verboten und geächtet. Die Decknamen stammen wahrscheinlich aus der Zeit der ersten Republik, in der das Ausüben von Capoeira verboten und geahndet wurde. Viele Leute trainierten trotzdem im Untergrund weiter und bildeten Banden, in denen sie sich untereinander nur mit Decknamen kannten, um nicht von der Polizei gefasst zu werden.

Gibt es auch Wettkämpfe?

Ja! Allerdings nicht mit dem Ziel, den Gegner k.o. zu schlagen. Es gewinnt derjenige, der ein technisch besseres Spiel liefert, den Angriffen des Gegners gut ausweicht und gekonnt Tritte oder andere Bewegungen antäuscht. Meist werden die Teilnehmer je nach Erfahrung in Gruppen eingeteilt, in denen sie ein oder mehr Spiele mit Gegnern absolvieren und von einer Jury mit Punkten bewertet werden.

Was ist Maculele?

Maculele ist der traditionelle Tanz mit der Machete. Ähnlich wie Capoeira handelt es sich um einen Kampftanz zu Musik, der aber nur von sehr erfahrenen Kämpfern mit dem Messer ausgeführt wird, in der Regel werden Holzstäbe verwendet. Maculele ist ursprünglich kein Teil der Capoeira, wird aber von vielen Capoeiralehrern mit unterrichtet.

Haben dir diese Infos geholfen? Dann teile sie!

Oder schreib mir, wenn du noch eine Frage hast!

 

 

[optin-cat id="317"]

Kommentar verfassen