Capoeira Wettkämpfe

Capoeira-Wettkämpfe: Warum Capoeira noch nicht olympisch ist

Capoeira Wettkämpfe?

In manchen Gruppen fester Teil des Jahresprogrammes, in anderen noch völlig unbekannt.

 

Aber wie funktioniert ein Wettkampf in einem Sport, der praktisch ohne Kontakt (und damit objektive „Treffer“) und geschriebene Regeln auskommt?

 

Wie ist ein Capoeira-Wettkampf aufgebaut?

 

Wie fast immer in der Capoeira gibt es auch hier keine allgemeinen Regeln, weil jede Gruppe (und jeder Stil) den Wettkampf nach den eigenen Ideen ausrichtet.

 

Dabei gibt es verschiedene Arten, zum Beispiel reine Akrobatik-Wettbewerbe, Gruppenwettkämpfe oder Einzelkämpfe in der Roda. Am häufigsten ist die Variante, in der jeweils zwei Spieler für eine bestimmte Zeit (z.B 60 Sekunden) in der Roda miteinander spielen und von einer Jury bewertet werden.

 

Hier wird normalerweise nach Kordel in verschiedene Klassen unterteilt, um das Spiel so fair wie möglich  zu machen. Meist werden etwa 3 verschiedene Kordeln in einer Klasse zusammengefasst und teilweise auch nach Geschlecht getrennt. Kinder und Jugendliche spielen in separaten Klassen.

 

Bei nationalen oder Landeswettkämpfen werden oft nicht nur die Einzelleistungen, sondern auch die Leistung einer ganzen Gruppe (meistens Vereine oder andere Trainingsgruppen) bewertet. Das geschieht teilweise auch in Form von Akrobatikwettbewerben, bei denen nacheinander alle Mitglieder ihre Bewegungen zeigen, ähnlich wie bei Vorführungen. Anderenfalls werden die Punktzahlen der Gruppenmitglieder zusammengezählt und so der Gruppensieger ermittelt.

 

Besonders bei großen Wettkämpfen wird oft im K.O.-System gespielt, sodass aus jedem Spiel nur einer der Teilnehmer weiterkommt. Bei anderen wird dagegen in Gruppen gespielt und nach Gesamtpunktzahl sortiert.

 

Je nachdem, welche Leistungen prämiert werden, treten die Teilnehmer mehrmals in verschiedenen Spielen gegeneinander an.

 

Einen Preis kann der Teilnehmer dann meistens in verschiedenen Kategorien bekommen: Bestes Spiel, Angola, Sao Bento Grande da Regional, Benguela, Iúna, Akrobatik, höchste Punktzahl insgesamt, höchste Punktzahl der Klasse, manchmal ist auch das Spielen des Berimbaus Teil des Wettbewerbs.

 

 

Der Ablauf

 

In der Regel erhält jeder Teilnehmer ein Shirt mit seiner Nummer, um der Jury die Bewertung zu erleichtern. Teilweise werden auch farbliche Markierungen genutzt, um die Spieler besser unterscheiden zu können.

 

Zum Aufwärmen findet oft ein kleines Training oder eine kurze Roda statt, die nicht bewertet wird. Anschließend werden die Begegnungen ausgelost und meist zu Livemusik ausgetragen.

 

Im Anschluss stimmen die einzelnen Jurymitglieder (meist renommierte Meister) für den Sieger des Spiels oder geben ihre Punkte bekannt. Im Fall eines Unentschiedens wird ein neues Spiel der beiden Gegner angesetzt.

 

 

Regeln

 

Für das Spiel in der Roda gelten größtenteils die gleichen (ungeschriebenen) Regeln wie in jeder normalen Roda, aber es gibt noch ein paar mehr:

 

  • Sämtliche Bewegungen, die den Gegner vorsätzlich kampfunfähig machen können (also ernsthafte Schläge, Cotoveladas, Joelhadas, Cabecadas etc) sind verboten und werden mit Punktabzug oder dem Ausschluss aus dem Wettkampf bestraft.

 

  • Hände sollen nur Verteidigung genutzt werden (z.B. beim Martelo), Festhalten und Blocken sind nicht erlaubt

 

  • Respektloses Verhalten jeglicher Arte gegenüber Gegnern, anderen Teilnehmern, Organisatoren oder Zuschauern kann zum Ausschluss aus dem Wettkampf führen.

 

  • Bei der offiziellen Capoeira-Weltmeisterschaft gibt es außerdem Punktabzug für zu viel Ginga, Pausen im Spiel, Volta ao Mundo und für den falschen Eintritt in die Roda (also ohne Au)

 

Entweder kontrollieren die Jurymitglieder die Einhaltung dieser Regeln, oder es werden Schiedsrichter bestimmt, die nur darauf achten.

 

 

Wie erfolgt die Bewertung?

 

Bewertet werden zum Beispiel:

  • Spielfluss
  • Rhythmusgefühl
  • Sicheres Ausweichen
  • Angriffe (auch Würfe wie Vingativa, Tesoura, etc)
  • Richtige Ausführung der Bewegung und Technik
  • Dehnung und körperliche Verfassung
  • Abwechselungsreichtum in den Bewegungen
  • Schwierigkeitsgrad der Bewegungen
  • Sprünge
  • Ausdruck
  • sinnvoller Einsatz von Bewegungen
  • Kreativität

Die Jury besteht meist aus 3 bis 5 bekannten Meistern, die im Idealfall keinen Bezug zu den Teilnehmern haben und bei gruppenübergreifenden Wettkämpfen keiner der teilnehmenden Gruppen angehören sollten.

 

In der Regel bewertet jedes Mitglied der Jury nur ein paar der Kriterien, während bei einigen Wettkämpfen jeder für alle Kriterien der Liste Punkte vergibt. In einem wiederum anderen System stimmt die Jury nur über den Sieger des Spiels ab, ohne offen Punkte zu vergeben.
Bei einzelnen Wettkämpfen werden nicht die Spieler selbst, sondern das Spiel als solches bewertet, um einen bestmöglichen Dialog zwischen den Spielern zu fördern. Dort macht jeder Teilnehmer mehrere Spiele und erhält dafür dann die Punkte, die am Ende addiert werden.

 

Bei großen Wettbewerben wird oft ein Preisgeld ausgeschrieben, bei kleineren besteht der Preis meist aus Medaillen, Pokalen und Zertifikaten, teilweise auch aus Sachpreisen.

 

 

Schwierigkeiten von Capoeira Wettkämpfen

 

Jede Gruppe und jeder Meister legt Wert auf andere Dinge und das merkt man auch bei Wettkämpfen. Es gibt Bewegungen, die in der einen Gruppe völlig normal sind, während sie von einem anderen Meister nicht akzeptiert werden.

Wenn du also an einem Wettkampf einer Gruppe teilnimmst, deren Stil sich stark von deinem eigenen unterscheidet, könntest du es dort schwer haben, auch wenn du in deiner eigenen Gruppe super spielst.

 

Allein schon deswegen ist es so schwierig, einen fairen Wettkampf durchzuführen. In manchen Gruppen werden bestimmte Stile wie z.B. Benguela gar nicht trainiert, in anderen wird fast nur zu einem sehr schnellen Rhythmus gespielt, sodass viele Gruppen lieber an internen Wettkämpfen teilnehmen, wo eine gemeinsame Basis gegeben ist.

 

Besonders hier in Europa gibt es daher mehr gruppeninterne als komplett unabhängige Wettkämpfe, meist von den großen Gruppen wie Abadá, Muzenza etc. organisiert, während in Brasilien Stadt-, Landes- und Bundesmeisterschaften schon üblich sind.

 

All diese Aspekte sind auch Gründe dafür, dass es Capoeira bisher nicht zu den Olympischen Spielen geschafft hat, obwohl es Initiativen dazu gibt.

 

Viele Capoeiristas kritisieren aber, dass dadurch eine starke Vereinheitlichung der Capoeira geschehen würde, was dem Sport seine Vielfalt nehmen und eher schaden als nützen könnte. Diese Fragen werden in Brasilien regelmäßig von verschiedenen Gremien diskutiert, allerdings bisher ohne Ergebnis.

 

 

Fazit

 

Capoeira Wettkämpfe können so vielfältig sein wie die Capoeira selbst.

 

Weil es so viele verschiedene Wettbewerbe und Regeln gibt, sind Titel wie „Deutscher Meister 2015“ oder Ähnliches auch nicht sehr aussagekräftig, da sie nicht auf national oder gar international einheitlichen Veranstaltungen erworben wurden, sondern oft auf gruppeninternen Wettbewerben nach unterschiedlichsten Standards.

Trotzdem können Wettkämpfe das öffentliche Interesse an Capoeira steigern und auch für Capoeiristas ein weiterer Anreiz fürs Training sein.

 

Gibt es in deiner Gruppe Wettkämpfe und hast du schon daran teilgenommen? Hinterlass einen Kommentar!

 

 

Quellen:

http://capoeiraibeca.com/uber-uns/campeonato/?lang=de

http://www.mundialmuzenza.com.br/2016/

http://mundialcapoeira.com/

http://www.rabodearraia.com/horadevadiar/campeonato-hora-de-vadiar.html

 

 

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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