Gesucht: Der vollständigste Capoeirista der Welt

 

In Brasilien tobt gerade (mal wieder) eine Debatte unter den Capoeiristas.

 

Der Grund?

 

Red Bull veranstaltet einen Capoeirawettbewerb, bei dem der „kompletteste Capoeirista der Welt“ gefunden werden soll, das RED BULL PARANAUE.

 

An sich ja nichts Ungewöhnliches, aber die Modalitäten sorgen für Kritik von allen Seiten.

 

 

Wie funktioniert das Ganze?

 

Am 28. Januar 2017 findet das Finale des Red Bull Paranaue in Salvador da Bahia statt. Daran nehmen 16 Capoeiristas teil, die in den 4 Vorentscheiden gewonnen haben sowie der Gewinner des VMV Barcelona aus dem letzten Jahr.

 

Die Vorentscheide finden in Rio de Janeiro, Sao Paulo und zwei Mal in Salvador statt (einmal für Teilnehmer aus Bahia, einmal für den Rest der Welt).

 

Teilnehmen darf jeder Capoeira über 18 Jahre, der noch kein Meister ist und sich im Vorfeld angemeldet hat.

 

Gespielt werden Angola, Regional und Contemporanea, in den Rhythmen Jogo de Dentro, Sao Bento Grande da Regiona und Iúna.

 

Vor jeder Paarung wird jedem Spieler ein Rhythmus zugelost. Dann spielen die beiden Capoeiristas 40 Sekunden zu jedem Rhythmus.

 

Eine Jury aus 6 renommierten Meistern bewertet das Spiel und entscheidet über den Sieger, der als Preis einen Besuch in der Akademie von Mestre Joao Grande in New York gewinnt.

 

Für Zuschauer ist das Event kostenlos.

 

 

Die Debatte

 

Mittlerweile debattieren Capoeiristas weltweit darüber, ob dieses Event im Sinne der Capoeira ist oder nicht.

 

Neben einigen Kritikpunkten gibt es natürlich auch positive Argumente.

 

Aber was soll der „kompletteste Capoeirista“ überhaupt sein? Laut eigener Angaben ist das der Capoeirista, der sowohl Angola als auch Regional und Contemporanea am besten beherrscht.

 

Aber kann ein Capoeirista so genannt werden, ohne das beispielsweise sein Gesang oder sein Berimbauspiel bewertet wird?

 

 

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Die Kritikpunkte:

 

Die Konzentration nur auf das Spiel, während gleichzeitig vom „kompletten“ Capoeirista geredet wird, ist wohl der Hauptkritikpunkt der Gegner dieses Events. Da die Capoeira eben nicht nur aus dem Spiel besteht, könne man Musik etc. nicht außen vor lassen.

 

Andererseits werden fast alle Capoeira Wettkämpfe nach diesem Prinzip ausgetragen, da es praktikabler und für Zuschauer interessanter ist.

 

 

Auch die Frage nach dem Sinn, alle drei Capoeirastile zu beherrschen, stellt sich für viele, da in der Praxis die wenigsten Capoeiristas diese drei Stile trainieren.

 

Da die meisten Capoeirawettkämpfe von Gruppen oder Verbänden ausgetragen werden, in denen in der Regel alle Teilnehmer den gleichen Stil praktizieren, sind Wettkämpfe, in denen Angola, Regional und Contemporanea gespielt werden sehr selten. Teilweise gibt es verschiedene Kategorien und dann einen Sieger für jede dieser Kategorie, es wird aber fast nie verlangt, dass jeder Spieler in allen Kategorien teilnimmt.

 

Die Idee mag für jemanden von außen gut klingen, ist aber für die meisten Capoeiristas nicht besonders praktikabel.

 

 

Außerdem wird kritisiert, dass 40 Sekunden zu wenig sind, um sich ein Bild von einem Capoeirista zu machen und die Kriterien zur Bewertung nicht klar sind. Es geht aus den Beschreibungen so nicht hervor, ob die Jury jeden Spieler einzeln bewertet (und nach welchen Aspekten) oder das Spiel der beiden.

 

Auch dieses Argument kann man gegen fast jeden Capoeira Wettkampf verwenden, da die Spiele selten viel länger als eine Minute dauern und die genauen Bewertungskriterien nicht immer im Vorfeld angegeben werden.

 

 

Ein weiterer großer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass mit Red Bull zum ersten Mal ein Unternehmen einen Capoeira Wettkampf veranstaltet und kommerzielle Interessen nicht mit Capoeira vereinbar seien.

 

Andererseits werden viele Capoeiraevents von den verschiedensten Unternehmen gesponsort und da Red Bull das Event auch medienwirksam vermarktet, ist es auch Werbung für die Capoeira. Dass sich die Interessen grundsätzlich widersprechen müssen, stimmt kaum.

 

 

Fazit:

 

Viele Capoeiristas stehen Wettkämpfen allgemein kritisch gegenüber, weil sie der Vielseitigkeit der Capoeira nicht gerecht werden, das ist bei diesem Event nicht anders, aber auch nichts Neues.

 

Andererseits sorgt das Event für öffentliche Berichterstattung und macht damit auch die Capoeira bekannter.

 

 

Was meinst du dazu? Schreib einen Kommentar!

 

 

 

Quellen:

http://www.redbull.com/br/pt/stories/1331839182110/tudo-que-voc%C3%AA-precisa-saber-sobre-o-paranaue

http://www.esportividade.com.br/sp-sedia-seletiva-do-red-bull-paranaue-que-busca-capoeirista-completo/

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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