Liedstile Capoeira

Was du über Quadras, Ladainhas, Corridos und Chulas wissen musst

Besonders als Anfänger konzentrieren sich Capoeiristas meist auf das Auswendiglernen der verschiedenen Lieder, das ist ja auch erstmal das Wichtigste.

 

Es gibt aber noch ein wichtiges Merkmal von Capoeiraliedern, das man kennen sollte, um nicht in ein Fettnäpfchen zu treten.

 

Nämlich die Art des Liedes.

 

Sie bestimmt, wie gespielt wird, was gesungen und welche Instrumente genutzt werden.

 

 

Also hier ein kleiner Überblick:

 

Ladainha

 

Die Ladainha (=Litanei) ist ein ruhiger, melancholischer und oft trauriger Stil. Er wird in der Capoeira Angola zu Anfang einer Roda gespielt, aber auch manche zeitgenössische Rodas beginnen mit einer Ladainha.

 

Gesungen wird die Ladainha traditionell vom ältesten anwesenden Meister, oft aber auch von einem der Capoeiristas, die das Spiel eröffnen wollen.

 

Während der Ladainha wird in der Roda nicht gespielt, es gibt auch keinen Chor, alle Anwesenden sollen sich auf die Botschaft des Liedes konzentrieren. Sie dient auch als eine Art Aufwärmen, sowohl für die Sänger und Instrumente, als auch zur Einstimmung auf den Axé in der Roda.

 

Womit wir beim Thema wären: Die Litaneien handeln meist von alten Geschichten, Mythen,  religiösen Erfahrungen (sie werden auch häufig als eine Form des Rosenkranzgebetes bezeichnet) und sollen oft tiefere Botschaften vermitteln.

 

Das Ende der Ladainha wird mit “Iêêê….” und beispielsweise “viva meu Deus!” eingeleitet. Ab diesem Moment wiederholt der Chor die vorgesungene Zeile und setzt ein “Camará” dahinter.

 

Beispiel:

Iê!
Manoel dos Reis Machado
Manoel dos Reis Machado
Foi embora e nos deixou
Deus lhe pôe em bom lugar
Pois é meu ermitão
Foi o Rei da capoeira
Foi ele que me ensinou
Ele foi mestre dos mestres
Meu mestre que Deus levou
E não joga mais na terra
Onde lá no céu jogar
Com Traíra e Besouro
Aberrê e Valdemar
Ele foi rei aqui na terra
Hoje é rei em outro lugar

 

Und hier beginnt dann der Endteil mit Chor:

Camaradinha, viva meu mestre
Iê viva meu mestre, camará
Iê ele me ensinou
Iê ele me ensinou, camará
Iê a capoeira
Iê a capoeira, camará
Iê vem lá da Bahia
Iê vem da Bahia, camará

 

 

Quadra

 

Die Quadra kann man mit “Quartett” übersetzen, da sie in der Regel aus 4 Versen Strophe und 4 Versen Refrain besteht. Allerdings muss dieses Schema nicht immer auf eine Quadra zutreffen.

 

Viele Regional-Rodas beginnen mit einer Quadra, ähnlich der Ladainha in der Capoeira Angola. Die Quadra kann aber zu jedem Zeitpunkt der Roda gesungen werden, daher wird auch in der Regel während des Liedes schon gespielt. Wird sie zur Eröffnung der Roda gesungen, darf erst nach Einsetzen des Chors gespielt werden bzw. wenn der Meister das Zeichen dazu gibt.

 

Quadras sind häufig geprägt von Improvisationen des Sängers, in denen er auf das Spiel oder die Anwesenden, seine eigene Geschichte oder andere passende Themen eingeht. Diese Textteile werden meist in bestehende Lieder eingebaut, sodass man sie nur mitkriegt, wenn man Portugiesisch versteht.

 

Beispiel einer Quadra:

Eu sinto um vazio no peito
Berimbau vem me ajudar
Vem, vem, vem
Berimbau vem me ajudar

Eu sinto um vazio no peito
Berimbau vem me ajudar
Vem, vem, vem
Berimbau vem me ajudar

Eu sinto saudades de um tempo
Que o berimbau me levou
Agora eu levo ele para
os lugares onde eu vou

Eu sinto um vazio no peito
Berimbau vem me ajudar
Vem, vem, vem
Berimbau vem me ajudar

Existem milhões de estrelas
Mas a minha eu encontrei
Fica no brilho do aço
Do berimbau que eu toquei

Eu sinto um vazio no peito
Berimbau vem me ajudar
Vem, vem, vem
Berimbau vem me ajudar

 

 

Corrido

 

Corrido bedeutet schnell und das beschreibt auch den Liedstil ziemlich genau. Sowohl Strophen als auch der Refrain bestehen aus eher kurzen Versen, die schnell aufeinander folgen.

 

Passend dazu werden corridos auch eher in den schnelleren Toques wie Sao Bento Grande gesungen. Zu langsameren Rhythmen werden sie dann genutzt, wenn sich gegen Ende der Roda das Tempo erhöht.

 

Im Gegensatz zu Ladainhas und Quadras wird beim Corrido weniger Wert auf die Botschaft hinter dem Lied gelegt, daher sind die Texte selten tiefgründig sondern bestehen meist eher aus alltäglichen, einprägsamen Phrasen.

 

Auch bei den Corridos kann improvisiert werden, manchmal werden auch Teile aus anderen Liedern eingebaut.

 

Im der Angola Roda folgt der Corrido auf die Ladainha und markiert damit den Beginn des Spiels.

 

Beispiel:

Onde vai caimã, caimã, caimã
Onde vai caimã
Vou pra ilha de maré
Onde vai caimã
Vou jogar capoeira
Onde vai caimã
Vou batê logo com pé
Onde vai caimã
caimã caimã
Onde vai caimã
la na ilha
Onde vai caimã
pra na ilha de maré
Onde vai caimã

 

 

Chula

 

Bei der Chula sind die Strophen meist deutlich länger als 4 Verse und erzählen Geschichten oder Lektionen. Manchmal gibt es mehrere Refrains, die an den passenden Stellen eingebaut werden, der Chor muss also etwas aufpassen 😉

 

Die Chula kann zu jedem Zeitpunkt der Roda gesungen werden, auch das Tempo oder der Toque ist nicht vorgegeben.  In der Capoeira Regional wird sie auch als Gegenstück der Ladainha zur Eröffnung der Roda genutzt, da Ladainhas und Chulas oft ähnliche Inhalte haben.

 

Auch hier gilt: Während der Chula darf gespielt werden, wenn es sich nicht um das Eröffnungslied vor dem Einsetzen des Chores handelt.

 

Chulas werden auch im Samba de Roda genutzt.

 

Beispiel:

Se você faz um jogo ligeiro
Da um pulo pra lá e pra cá
Não se julgue tão bom Capoeira
Que a Capoeira não é tão vulgar
Para ser um bom capoeirista
Para ter muita gente que lhe de valor
Você tem que ter muita humildade
Tocar instrumento, ser bom professor
Capoeira faz chula bonita
Canta um lamento com muita emoção
Quando ve o seu mestre jogando
Sente alegria no seu coração
Ele joga Angola, miudinho
Se a coisa esquenta não corre do pau
Tem amigo por todos os lados
Um grande sorriso pra mim não faz mal
Isso é coisa da gente
Ginga prá lá e prá cá
Mexe o corpo ligeiro
A mandinga não pode acabar
Isso é coisa da gente
Ginga prá lá e prá cá
Mexe o corpo ligeiro
A mandinga não pode acabar

 

 

Fazit

 

Es gibt zwar ein paar Regeln, an denen man die Liedstile erkennen kann, allerdings auch viele Ausnahmen. Dazu kommt, dass zwischen den verschiedenen Gruppen, Capoeirastilen und Regionen teilweise die Begriffe unterschiedlich verstanden werden. Beispielsweise nutzen einige Angola-Meister in Bahia den Begriff Corrido für das, was die meisten anderen Capoeiristas als Chula bezeichnen.

 

Also am besten deinen Lehrer fragen und in der Roda auf die Erlaubnis des Leiters warten 😉

 

 

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Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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