Maculele

Die Legende des Maculelê

Maculelê ist – wie die Capoeira – ein afrobrasilianischer Kampftanz, bei dem allerdings mit Stöcken gekämpft wird.

Er ist zwar kein Teil der Capoeira, wird aber wegen der ähnlichen Wurzeln oft auf Capoeiraveranstaltungen vorgeführt und überwiegend von Capoeiristas trainiert.

 

 

Ursprung

 

Der Maculelê in seiner heutigen Form stammt wahrscheinlich aus der Region rund um Santo Amaro, an der Bucht von Salvador da Bahia. In dieser Region entwickelte sich vermutlich auch die bahianische Capoeira sowie der Samba de Roda.

 

Unklar ist, ob die Wurzeln des Maculelê aus Afrika stammen oder von der indigenen Kultur beeinflusst wurden. Darüber gibt es verschiedene Legenden.

Einige Forscher sehen auch Parallelen zwischen Maculelê und Tänzen aus Mosambik oder dem Kongo, in seiner jetzigen Form kommt er aber nur in Brasilien vor.

 

 

Die Legenden von Maculelê

 

Eine von ihnen besagt, dass in einem Yorubá-Stamm in Afrika eines Tages die Männer das Dorf zum Jagen verlassen und nur alte Männer und Frauen zurückbleiben. Dies nutzt ein verfeindeter Stamm, um das Dorf zu überfallen. Angeführt von einem Mann namens Maculelê wehren sich die Dorfbewohner mit Stöcken bewaffnet gegen die Angreifer und können sie vertreiben. Als die Jäger zurückkehren, erfahren sie von den Geschehnissen und veranstalten ein Fest, auf dem nochmal nachgespielt wird, wie Maculelê und seine Männer gegen die Angreifer gekämpft haben.  Dieses Fest wird von da an regelmäßig gefeiert um den Mut der Verteidiger zu ehren und zu der Vorführung des Kampfes kommt mit der Zeit Gesang und Getrommel dazu.

 

In einer anderen Version der Legende ist Maculelê ein geflohener Sklave, der Unterschlupf in einem Indiodorf sucht. Dort ist er zwar willkommen, wird aber nicht als Mitglied des Stammes gesehen und darf an vielen Aktivitäten nicht teilnehmen. So wird er eines Tages mit Frauen und alten Männern im Dorf zurückgelassen, während die Krieger zur Jagd gehen. Auch hier wird das Dorf angegriffen und Maculelê rettet seine Bewohner mit seinem Stockkampf. Für seine Heldentat wird er anschließend in den Stamm aufgenommen.

 

Und in der dritten Version ist Maculelê ein fauler Indio, der nichts auf die Reihe kriegt und daher nicht mit auf die Jagd genommen wird. Auch hier wird das Dorf angegriffen, und weil die Jäger alle Waffen mitgenommen haben, bleiben Maculelê nur Stöcke, um seinen Stamm zu verteidigen. Es gelingt ihm, die Feinde zu vertreiben, doch er erliegt seinen Verletzungen und geht als Held in die Geschichte seines Stammes ein.

 

 

Der große Meister des Maculelê

 

Auf jeden Fall war der Maculelê seit dem achtzehnten Jahrhundert Bestandteil der Heiligenfeste in der Region um Santo Amaro. Auch auf anderen Volksfesten wurde er von den Schwarzen getanzt, häufig zusammen mit Capoeira und Samba.

 

Nach Erzählungen von Mestre Popó, dem wohl berühmtesten Maculelê-Tänzer überhaupt, wurde auch in den Senzalas (Sklavenunterkünften) der Maculelê getanzt, allerdings so in Musik und Rhythmus eingebunden, dass die Aufseher davon überzeugt waren, es handele sich um die Anbetung irgendwelcher afrikanischer Gottheiten.

 

Mestre Popó lernte den Maculelê von einer Gruppe ehemaliger Sklaven aus dem Kulturkreis der Malês. Doch weil viele große Meister des Tanzes schon verstorben waren, war der Stocktanz zu dieser Zeit um 1940 nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen. Also beschloss er, wieder Freunde und Familienmitglieder darin zu unterrichten und mit dieser Gruppe an Vorführungen teilzunehmen.

So ist es besonders ihm zu verdanken, dass der Maculelê bis heute praktiziert wird.

 

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Musik

 

Das wichtigste Instrument im Maculelê ist das Atabaque. Früher wurden drei Atabaques und noch verschiedene andere Instrumente wie das Agogô oder das Ganzá benutzt, heute wird meist nur noch zum Rhythmus des Atabaques getanzt.

 

Die Lieder handeln, ähnlich den Capoeiraliedern, vom Leben der Sklaven, von Heiligen oder erzählen die Geschichte des Maculelês.

 

 

Die Kleidung

 

Zu den traditionellen Festen bemalten sich die Maculelê-Tänzer im Gesicht mit weißer und roter Farbe, angeblich eine afrikanische Tradition, um die Gegner zu erschrecken.

 

Zur Zeit von Mestre Popó wurde für den Tanz die alltägliche Kleidung der Schwarzen benutzt, meist bestehend aus weißen Baumwollhosen, Hemden und in der Regel barfuß.

 

Heute tragen die Tänzer für Vorführungen meist nur Baströcke (Frauen außerdem Bustiers), teilweise auch Armbänder oder Kopfschmuck aus Bast oder anderen Pflanzenfasern. Einige Gruppen tanzen auch in der normalen Capoeirakleidung. Der restliche Körper wird bemalt.

 

 

Maculelê heute

 

Während der Tanz ursprünglich die Geschichte von Maculelê erzählt, der allein (oder in einer Gruppe) gegen eine übermächtige Anzahl an Angreifern kämpfte, wird er heute meist paarweise oder als Show gezeigt.  Auch das Einlaufen in einer Reihe soll indigenen Ursprung haben und im früheren Maculelê nicht vorgekommen sein.

 

Besonders durch die Capoeira ist auch der Maculelê weltweit verbreitet und wird auf Capoeiraveranstaltungen trainiert und vorgeführt.

 

Wie die Capoeira gehört er zur afrobrasilianischen Kultur dazu und bietet Abwechslung und spektakuläre Shows.

 

 

 

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Quellen:

http://capoeiraexports.blogspot.de/2011/01/maculele-origem-e-historia.html#more

http://www.capoeiradobrasil.com.br/maculele.htm

 

 

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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