Samba de Roda

Samba de Roda

Hast du dich auch schon mal gefragt, wie der Samba de Roda zur Capoeira kommt und was es damit eigentlich auf sich hat?

 

In diesem Artikel erfährst du ein paar Hintergründe und Tipps zum Samba de Roda.

 

 

Was ist der Samba de Roda?

 

Samba de Roda (Samba im Kreis) ist ein besonders traditioneller Sambastil, der im 19. Jahrhundert entstand. Er ist besonders in Bahia sehr beliebt und stammt wohl aus der Region Reconcavo Baiano.

 

Der Samba de Roda wird oft als eine Mischung aus Tanz, Musik, Poesie und Feiern vorgestellt und ist in der Regel bei größeren Capoeiraveranstaltungen vertreten. Besonders in Bahia ist er aber bis heute auch auf vielen Volksfesten vertreten.

 

Er gehört zwar nicht zur Capoeira, wird aber besonders häufig von Capoeiristas getanzt und hat einige Ähnlichkeiten sowie eine gemeinsame Geschichte mit der Capoeira.

 

Der Tanz selbst ist sehr spielerisch und auch sinnlich. In der Regel tanzt ein Paar miteinander im Kreis, dabei wird oft ein wenig geschauspielert und mit Gesten und Bewegungen gespielt.

 

Ähnlich wie in der Capoeira bei jogo de compra wechseln die Tänzer immer wieder. Dabei wirft der neue Tänzer seinen Vorgänger meist auf irgendeine Art aus der Roda, um seinen Platz einzunehmen. Beispiele hierfür sind Schubser mit Hüfte, Hintern oder Bauch (umbigada), Ablenkungsmanöver oder auch angedeutete Tritte oder andere Capoeirabewegungen wie vingativas.

 

(Die Umbigada stammt übrigens aus den Tänzen des afrikanischen Bantu-Stammes.)

 

Gerade dieses unterhaltsame und oft witzige Spiel macht den Samba de Roda auch für Zuschauer so interessant.

 

Und so sieht der Spaß aus:

 

 

 

Geschichte

 

Der Samba de Roda entstand um 1860 im Reconcavo Baiano, einer Küstenregion bei Salvador im Nordosten Brasiliens. Ab dem Anfang des 19. Jahrhunderts gibt es Berichte über ähnliche Tänze der Sklaven, jedoch ist nicht eindeutig geklärt, ob es sich dabei um den Samba de Roda oder andere Tänze handelte.

 

Ähnlich wie auch die Capoeira soll der Samba de Roda in Anlehnung an afrikanische Rhythmen und Traditionen entstanden sein. Als Referenz wird oft der angolanische Semba genannt. Allerdings war dieser Tanz nicht die einzige Wurzel des Samba de Roda. Die Sklaven kamen aus den verschiedensten Regionen Afrikas und brachten von dort ihre Kulturen und Tänze mit. In Brasilien entstand so überall dort, wo viele Sklaven aufeinander trafen, eine neue Mischung dieser Kulturen.

 

Doch nicht nur die afrikanischen Kulturen finden sich im Samba de Roda, sondern auch einige Elemente der portugiesischen Kultur. Dies ist besonders an den Instrumenten (Gitarre und Pandeiro) und an der portugiesischen Sprache der Lieder zu sehen.

 

Wie die Capoeira war der Samba im 19. Jahrhundert verpönt und zeitweise sogar verboten, da er besonders der weißen Oberschicht ein Dorn im Auge war. Sie sah in dem Tanz eine Gefahr für die Moral der Bürger un die Tatsache, dass er oft auf Festen der afrobrasilianischen Religionen zu finden war, machte den Eindruck natürlich auch nicht besser.

 

Erst nach der Abschaffung der Sklaverei wurde der Samba im zwanzigsten Jahrhundert langsam gesellschaftlich anerkannt und unter die Tänzer mischten sich auch immer mehr Weiße. Das lag zum einen an dem wachsenden Interesse von Wissenschaftlern und ausländischen Medien, zum anderen am immer größeren Interesse an Vergnügungsveranstaltungen in der Zeit der Industrialisierung.

 

Heute kommt der Samba de Roda in Bahia selten als eigene Veranstaltung, sondern meist am Ende von Festen, katholischen Feiertagen und Riten der afrobrasilianischen Religionen vor. Dabei wird nicht unbedingt paarweise, sondern oft auch solo oder in der Gruppe getanzt, auf Vorführungen sieht man auch oft feste Choreografien.

 

Meist wird dabei auch in typischer Kleidung getanzt: Die Frauen in den typischen Kleidern der Baianas, alternativ in langen weißen oder bunt bedruckten Röcken und Oberteilen mit weiten Ärmeln, die Männer mit langer Hose, Hemd und Hut.

 

 

Musik

 

Beim traditionellen baianischen Samba de Roda gibt es drei Instrumente:  das Pandeiro, eine Gitarre und ein Teller, der mit einem Küchenmesser gespielt wird. Speziell im Reconcavo wird die Gitarre dabei so gespielt, dass immer nur eine einzige Saite angeschlagen wird.

 

Es gibt zwei verschiedene Stile, den corrido und die chula. Während einer chula wird nicht getanzt, sondern nur gesungen, während des corridos findet beides gleichzeitig statt. (Falls dir die beiden Begriffe jetzt irgendwie bekannt vorkommen, schau doch mal hier!)

 

Die Lieder bestehen aus Strophen und Refrain, wobei der Refrain von allen Anwesenden mitgesungen wird. Außerdem klatschen alle, die den Kreis bilden, im Rhythmus zur Musik, das kennt man als Capoeirista ja alles 😉

 

Neue Artikel im Shop - nur für kurze Zeit!

bild4

 

 

 

Unterschied zum „normalen“ Samba

 

Samba ist in Brasilien eine Wissenschaft für sich, denn jede Region hat eigene Besonderheiten, was den Tanzstil angeht. Dabei ändern sich sowohl die Art des Tanzens als auch die Instrumente und die Musik, deswegen ist es schwierig, vom Samba an sich zu sprechen.

 

Beim modernen Samba aus Rio gibt es zusätzliche Instrumente, wie Trommeln, Cavaquinho, Tambourin und Schüttelinstrumente. Der Grundschritt ist ähnlich, allerdings werden die Füßer leichter abgesetzt, während beim Samba de Roda meist der ganze Fuß auf den Boden tritt.

 

Zudem wird der moderne Samba selten in Rodas, sondern eher als Paartanz oder halt beim Karneval in Blocks und als Solofigur getanzt.

 

 

In der Capoeira

 

Der Samba de Roda ist eng mit der Capoeira verbunden und wird (besonders auf größeren Veranstaltungen) nach der Roda getanzt, um die Veranstaltung mit Spaß und toller Energie ausklingen zu lassen.

 

Auch auf Workshops gibt es oft Samba de Roda-Kurse, mal zum Aufwärmen, mal um die Grundschritte für die spätere Roda zu lernen oder auch einfach, um zwischen den Capoeirakursen mal was anderes zu machen und zu entspannen.

 

Hier werden allerdings auch die Instrumente der Capoeira verwendet, also das Berimbau, das Pandeiro  und das Atabaque zusätzlich zu Gitarre und ein Schüttelrohr (chocalho). Auch die traditionelle Kleidung wird meist nur für Vorführungen verwendet, sonst wird in normaler Capoeirakleidung getanzt.

 

 

 

Wie du Samba de Roda lernst

 

Der wichtigste Aspekt beim Lernen des Samba de Rodas ist wohl der Spaß dabei. Hör auf die Musik, entspann dich und hab Spaß, dann hast du schon eine sehr gute Basis.

 

Der Grundschritt kann je nach Tänzer etwas unterschiedlich sein, manche setzen dabei die Ferse auf, andere den ganzen Fuß oder nur die Fußballen. Der Schritt an sich ist aber recht einfach.

 

Eigentlich wird dabei nur abwechselnd ein Fuß nach vorne gesetzt und wieder zurück (hier einmal langsam zum lernen).

 

Wichtig dabei ist auch, die Hüfte bei jedem Schritt mitzunehmen, während sich der Oberkörper wenig bewegt. Die Arme werden ähnlich wie beim modernen Samba besonders von den Frauen eingesetzt und natürlich auch für die Gesten verwendet.

 

Zum Grundschritt kommen natürlich noch unzählige Variationen, Drehungen und sogar Akrobatik dazu, ebenso wie die schauspielerischen Elemente und das Spiel mit dem Partner.

 

Das lernst du natürlich nicht an einem Tag, aber wenn du das Ganze nicht verkrampft und „im Kopf“ angehst, sondern Spaß hast und dich von der Musik leiten lässt, kannst du kaum was falsch machen.

 

Spiel einfach mit deinem Partner und genieß das Tanzen!

 

 

 

 

Teile diesen Artikel!

 

 

Quellen:

http://portal.iphan.gov.br/uploads/publicacao/PatImDos_SambaRodaReconcavoBaiano_m.pdf

https://pt.wikipedia.org/wiki/Samba_de_roda

http://sambaecapoeira.blogspot.de/

 

 

 

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
Xitara

Kommentar verfassen