16 Regeln und Rituale der Roda – Teil 2

Die Roda – Der Ort, an dem die Capoeira gespielt wird. Der Ort, an dem du mehr lernst als im Training, dein Können testen kannst, wo du singst, spielst und klatschst.

Aber was gibt es zu beachten?

Nach dem ersten Teil erkläre ich dir heute die Regeln 9 bis 16.

 

 

9. Wie du die Roda verlässt

Die Malandragem, also die Schlitzohrigkeit, ist Bestandteil der Capoeira. Das heißt für dich, dass du immer mit allem rechnen musst. Dein Gegner kann deine Wachsamkeit durchaus auch noch mit einem Tritt testen, wenn du gerade die Roda verlässt. Dreh dich also NICHT einfach um und geh, sondern behalte ihn bzw. die neuen Spieler im Auge, während du rückwärts Richtung Zuschauerkreis gehst.

 

 

10. Was bei einer Unterbrechung passiert

Wenn ein Gegner die Roda verlässt und nicht sofort ein neuer im Spiel ist, sodass der Spielfluss unterbrochen ist, macht man die Volta ao Mundo, die Reise um die Welt. Das passiert auch, nachdem ein Gegner zu Boden gegangen ist oder eine Pause braucht, immer dann, wenn das Spiel in irgendeiner Weise stoppt.

Bei der Volta ao Mundo gehen die Spieler im Kreis hintereinander. Das geht so lange, bis einer der beiden sich vor das Berimbau hock, um das Spiel wieder zu beginnen.

Auch dabei musst du unbedingt wachsam sein, denn auch hier kann leicht mal ein Tritt kommen, wenn dein Gegner der Meinung ist, dass du nicht aufpasst.

Wenn beide wieder unterm Berimbau hocken, kann das Spiel wieder nach den normalen Regeln beginnen.

 

 

11. Im Spielfluss bleiben

Spielunterbrechungen wie in obigen Punkt sollten, wenn möglich, vermieden werden. Das Capoeiraspiel ist immer im Fluss, es gibt kein Stocken oder Pausen. Selbst wenn dein Gegner dich zu Boden befördert hast, gibt es Möglichkeiten, sofort wieder ins Spiel zu kommen. Und egal, was dein Gegner gerade macht, mach auch was!

Ich weiß noch, wie blöd ich mir am Anfang vorkam, wenn mein Gegner lange Akrobatikvorführungen gemacht hat, weil ich einfach nicht wusste, was ich in der zeit machen sollte. Aber Hinstellen und Abwarten ist definitiv keine Option, und wenn du zehn mal Ginga hin und her machst, Hauptsache du bleibst im Spiel!

Auch das Blocken von Tritten solltest du vermeiden, da es den Spielfluss stört, stattdessen solltest du geschickt ausweichen und weiterspielen.

 

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12. Werde nicht übermütig

Wenn du mit jemandem spielst, der eine höhere Graduierung hat als du, überleg es dir gut, ob du ihn testen willst. Auch wenn du das Gefühl hast, er hat seine Deckung nicht im Griff oder ist sonst wie angreifbar: Viele Capoeiristas verstehen solche Tests als Einladung zum härteren Spiel und werden entsprechend reagieren. Oft wird es auch als respektlos angesehen, wenn du versuchst, bei jemand Erfahrenem einen Treffer zu landen.

Außerdem solltest du immer bedenken, dass dein Gegner dich in Sicherheit wiegen und zu unüberlegten Aktionen herausfordern will. Bevor du also einen solchen Versuch wagst, überleg dir, ob du mit den Konsequenzen klarkommst.

 

 

13. Das Spiel kaufen

Nein, hierbei handelt es sich nicht um illegale Absprachen, sondern um das Ablösen eines Spielers aus der Roda. Normalerweise setzt der Meister oder Leiter der Roda vorher fest, ob sich neue Spieler ins Spiel “einkaufen” oder ob immer paarweise gewechselt wird.

Wenn du einen Spieler ablösen willst, wartest du einen günstigen Moment ab, in dem du von beiden Spielern gesehen wirst, und streckst deine Hand zwischen die beiden. Dabei zeigt deine Handfläche zu dem Spieler, mit dem du das Spiel weitermachen willst, dein Handrücken zu dem Spieler, der abgelöst wird. Auch hierbei musst du immer vorsichtig sein und mit allem rechnen.

 

 

14. Wen du ablösen darfst

Wenn vorher nichts anderes vereinbart wurde, darfst du nur Leute ablösen, die dieselbe oder eine niedrigere Graduierung haben als du selbst.

In vielen Rodas wird darauf eher wenig Wert gelegt, besonders unter Schülern, in anderen Gruppen gilt es als sehr respektlos, einen Erfahreneren abzulösen (Das Gleiche gilt übrigens für das Spielen der Instrumente). Am Besten, du fragst deinen Lehrer, wie er das sieht.

In jedem Fall kann ich dir nur raten, niemals einen Mestre, Contra-Mestre, Mestrando oder Professor abzulösen, wenn du dir nicht ganz sicher bist.

Frag im Zweifelsfall jemanden mit mehr Ahnung oder beobachte das Spiel noch ein bisschen und schau, was die anderen tun.

 

 

15. Welche Instrumente du spielen darfst

Auch diese Regel hängt immer etwas von der Situation ab. Generell gilt aber, dass die Instrumente immer von den Erfahreneren Teilnehmern gespielt werden (im Training ist das natürlich was anderes!). Solange also einige sehr erfahrene Capoeiristas dabei sind, musst du dir um die Instrumente eigentlich keine Sorgen machen.

Als Schüler wirst du in den meisten Rodas nur Agogo und Pandeiro spielen dürfen, vielleicht ganz selten mal Atabaque. Ans Berimbau darfst du erst mit einer gewissen Erfahrung und Graduierung. Ausnahmen gibt es natürlich, wenn dich jemand direkt dazu auffordert, ihn abzulösen, oder wenn wenig Erfahrene bei der Roda sind.

 

 

16. Respektiere die Lehrer

Dein Respekt sollte natürlich allen Teilnehmern der Roda gelten, besonders aber den Lehrern und Meistern.

Durch die Graduierung gibt es eine feste Hierarchie, die du immer im Hinterkopf behalten solltest. Vor allem ältere Meister erwarten oft eine sehr höfliche und respektvolle Behandlung.

Jeder Teilnehmer in der Roda kann dich etwas lehren, also ist auch jeder in gewisser Hinsicht dein Meister. Behandele alle entsprechend!

 

 

So, das waren meine 16 Punkte zu den Regeln der Roda! Zu Teil 1 gelangst du hier.

 

Hast du etwas zu ergänzen? Dann schreib einen Kommentar!

 

 

 

Xitara

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
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