Wie du deine Cabaças selber züchtest

Hast du schon mal ein Berimbau selbst gebaut? Wenn, ja, dann weißt du wahrscheinlich auch, wie die Flaschenkürbisse aussehen, aus denen die Cabaças hergestellt werden.

Aber wusstest du, dass diese Kürbisse auch hier bei uns wachsen und du sie sogar auf deinem Balkon selbst ziehen kannst?

Ich habe genau das letztes Jahr ausprobiert und mittlerweile sind die ersten
Cabaças getrocknet und fertig für die Weiterverarbeitung. Deswegen zeige ich dir in diesem Artikel, wie das geklappt hat und worauf du achten solltest, falls du es auch probieren willst.


Das Saatgut



Als erstes brauchst du natürlich die Samen. Du kannst Samen nehmen, die du beim Berimbau bauen aus dem Kürbis entfernt und nicht benutzt hast oder du fragst deinen Lehrer, ob er welche hat oder aus Brasilien besorgen kann. Allerdings ist es wichtig, dass die Samen nicht zu alt sind, sonst keimen sie nicht mehr.

Ich habe die Samen im Internet bestellt und kann dir diesen Anbieter* sehr empfehlen. Bei mir sind alle Samen aufgegangen und auch die Pflanzen waren so wie sie sein sollten.

Letztes Jahr habe ich Anfang April mit der Anzucht begonnen, dieses Jahr wird es etwas eher, damit die Pflanzen, wenn sie im Mai nach draußen können, schon etwas größer sind.

In der beiliegenden Anleitung wird empfohlen, das Saatgut 24 Stunden einweichen zu lassen, damit es schneller keimt. Danach kannst du die Samen wie üblich in die Erde stecken und an einen warmen Platz stellen (zum Beispiel über die Heizung). Da die Kürbisse aber wärmeres und feuchteres Klima gewohnt sind, habe ich noch eine andere Methode genutzt, mit der die Samen bei mir zuverlässiger gekeimt sind.

Dazu legst du die Samen in ein leeres Marmeladenglas, das am Boden mit sehr feuchtem Küchenpapier ausgelegt ist. Samen rein, zumachen und ab auf die Heizung.

Dieses Klima ist warm und feucht genug, um die Keimung, die sonst schon mal ein paar Wochen dauern kann, zu beschleunigen. Außerdem kannst du dabei zugucken ;)

Sobald dann die Wurzel rauskommt und du grün siehst, kannst du den Keimling vorsichtig in die Erde (am besten Anzuchterde) stecken. Am besten ziehst du über den Topf eine durchsichtige Plastiktüte, damit es weiter feucht bleibt. Du kannst auch warten, bis sich der Keimling von der Samenhülle befreit hat, achte nur darauf, dass du die Wurzeln noch ohne Schäden aus dem Küchenpapier heraus bekommst.

Der Standort

Jetzt hat der Keimling bis etwa Mitte Mai Zeit um zu wachsen. Vor Mai solltest du ihn nicht in den Garten oder auf den Balkon pflanzen, da er keinen Frost verträgt.

Stell den Topf an einen hellen warmen Platz und achte darauf, dass er genug Wasser und Platz im Topf hat. Bis zum Auspflanzen braucht er einen Topf mit einem Durchmesser von etwa 12 cm.

Je nachdem, wo du deinen Kürbis pflanzen willst, solltest du dich etwas vorbereiten. Falls du deine Pflanze auf dem Balkon ziehst, solltest du einen großen Kübel und Platz zum Ranken haben.

Außerdem sollte der Kürbis etwas Sonne kriegen und nährstoffreiche Erde bekommen. Wie alle Kürbisse wächst auch der Kalebassenkürbis gut auf dem Kompost, falls du also einen Garten hast, kannst du das ausprobieren. Auch an Zäunen kannst du ihn gut pflanzen.

Vor dem Auspflanzen musst du nur den entsprechenden Boden etwas lockern und mit Kompost oder etwas Gemüsedünger anreichern. Außerdem solltest du deine Pflanzen vorher ein paar Tage lang an die Sonne gewöhnen, also immer wieder für ein paar Stunden nach draußen stellen und dann wieder zurück auf die Fensterbank.

Wachstum

Nach dem Auspflanzen haben Schnecken meine 4 Pflanzen auf 2 reduziert. Falls du das Experiment also im Garten machst und Schnecken hast, solltest du dir vorher Gedanken über die Schneckenabwehr machen.

Ich habe eine der übrigen Pflanzen draußen im Halbschatten am Zaun gepflanzt, die andere in Omas Gewächshaus mit recht viel Sonne. Die im Gewächshaus war zwar mit allem etwas schneller und größer als die andere, am Ende habe ich aber von beiden etwa gleich viele Kürbisse geerntet.

Den Sommer hindurch musst du eigentlich nur darauf achten, dass dein Kürbis nicht austrocknet und ihn wenn du willst hin und wieder etwas düngen.

Wenn die Pflanze erst mal anfängt zu wachsen, breitet sie sich recht schnell aus, du solltest den Haupttrieb also immer mal wieder in die richtige Richtung lenken. Nach zwei Monaten wuchs der eine Kürbis schon aus dem Gewächshaus heraus und die Ranke war insgesamt über 5 Meter lang.

Du kannst die Pflanze auch über den Boden wachsen lassen, allerdings musst du dann später aufpassen, dass die Früchte nicht zu feucht liegen und anfangen zu faulen.

Blüten

Sobald sich erste Blüten zeigen, kannst du dich freuen, denn meist bekommst du damit auch Früchte. Die ersten Kürbisse haben sich bei mir problemlos ausgebildet, einige Wochen später fielen die neuen kleinen Früchte aber immer wieder ab. Das lag daran, dass die Blüten nicht bestäubt wurden, und das kannst du ganz leicht selbst machen, sodass du dieses Problem direkt vermeidest.

Der Kürbis hat sowohl männliche als auch weibliche Blüten und die Pollen aus den männlichen müssen in die weibliche, damit sich die Früchte bilden können. Sobald du an deiner Pflanze also die ersten weißen Blüten entdeckst, schnappst du dir einen Pinsel und spielst Biene.

Die männlichen Blüten erkennst du daran, dass sie nur aus Blüte und Stiel bestehen, bei den weiblichen sitzt zwischen Blüte und Stiel schon der Fruchtansatz, der schon wie ein Minikürbis aussieht. Du nimmst also mit dem Pinsel den Blütenstaub der männlichen und streichst damit durch die weiblichen Blüten. Oder einfach wild durch alle Blüten, müsste auch klappen.

Die Blüten verblühen in wenigen Tagen und manchmal hat die Pflanze auch gerade nur eine Art von Blüte, das ist normal. In der Regel werden die Pflanzen im Garten auch durch Insekten bestäubt, aber sicherheitshalber würde ich nochmal nachhelfen, bevor du nachher doch nichts erntest.

Sobald die Blüten bestäubt sind, wachsen die Früchte zu ihrer Größe heran. Da die Kürbisse in unreifem Zustand schon ziemlich schwer werden können, solltest du darauf achten, die Pflanze gut zu befestigen, sodass sie nicht abreißt.

Die Ernte

Die Cabaça Kürbisse wachsen recht schnell auf ihre volle Größe und werden dann nur noch reif bzw. verändern sich gar nicht mehr sichtbar. Wenn du nur die trockenen Früchte nutzen willst, solltest du mit der Ernte warten, bis sich die Pflanze braun/gelb verfärbt.

Letztes Jahr habe ich die Kürbisse etwa im Oktober geerntet, alles vor dem ersten Frost ist gut. Beim Abschneiden solltest du ein möglichst langes Stück von der Pflanze am Kürbis lassen, da dies das Trocknen vereinfacht und du die Kürbisse so auch leichter zum Trocknen aufhängen kannst.




Cabacas trocknen

Das Trocknen der Kürbisse, um daraus Cabaças oder andere Gegenstände zu machen, dauert mehrere Monate. Dazu werden sie am besten an einem trockenen und luftigen Ort aufgehängt. Du kannst sie auch hinlegen, solltest sie dann aber regelmäßig wenden, so dass sie von allen Seiten Luft bekommen.

Da das Trocknen besonders durch Schimmel auf der Außenhülle passiert, würde ich dir eher nicht raten, die Kürbisse mit in die Wohnung zu nehmen, besser geeignet ist ein Dachboden, Keller oder Schuppen, zumal die Dinger auch nicht besonders gut riechen.

Nach einigen Wochen wirst du vermutlich Schimmel und Flecken in den verschiedensten Farben an den Cabaças entdecken. Keine Sorge, genau so trocknen sie besonders schnell. So lange der Kürbis trotzdem eine harte Schale hat, ist alles in Ordnung. Du kannst den Schimmel regelmäßig abkratzen, allerdings wirkt sich das vermutlich nur auf das spätere Muster der Oberfläche aus. Wenn der Kürbis ganz leicht und hohl ist und evtl beim Schütteln die Kerne innen rasseln, ist er trocken.

Ich habe im Oktober von den beiden Pflanzen 13 Kürbisse geerntet, davon sind mittlerweile 6 trocken, einer verfault und 6 schimmeln noch vor sich hin. Nicht alle haben das perfekte Format und die Größe für Cabaças, aber aus 4-5 kann man was machen. Mehr über die Verabeitung kommt sicher noch in einem der nächsten Artikel.



Fazit

Auch wenn der letzte Sommer besonders warm war, bin ich der Meinung, dass der Anbau von Cabaças im Garten hier sehr gut möglich ist. Auch auf dem Balkon oder sogar in der Wohnung ist es möglich, wenn man genügend Platz hat.

Über die Qualität und den Klang der Cabacas kann ich noch nichts sagen, einige scheinen recht dünn, andere haben eine dickere Schale und ähneln meinen gekauften Exemplaren, aber das werde ich in den nächsten Monaten noch testen.

Und wenn dann am Ende doch nur ein paar Reserve-Cabaças oder Übungsobjekte zum Basteln herauskommen, hat sich das Ganze doch trotzdem gelohnt.

Ich fange jetzt mit den Samen für dieses Jahr an und werde immer mal wieder berichten, wenn du mehr darüber erfahren willst, dann schau mal auf Instagram vorbei.

Xitara

Xitara ist nicht nur leidenschaftliche Capoeirista, sondern auch Autorin und Bloggerin. Auf Gingado unterstützt sie andere Capoeiristas mit Trainingstipps und Hintergründen rund um Capoeira.
Xitara

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